Warum dein Businessumbau dir nicht gelingt, obwohl du weißt, was zu tun ist
Geld ist gar nicht mehr mein Thema. Ich würde gerade alles dafür geben, dass es sich wieder stimmig anfühlt. Dass ich mich nicht mehr so getrieben fühle. Dass ich nicht die dritte Beziehung draufgehen lasse. Ich kriege es einfach nicht hin. Egal, was ich probiere." Wenn ich solche Sätze von selbstständigen Frauen höre, die das erreicht haben, was sie sich vor fünf oder zehn Jahren vorgenommen hatten, werde ich hellhörig. Von außen ist da ein gutes Leben. Der Laden läuft, die Zahlen stimmen, andere hätten gern, was sie haben.
Für sie stimmt es trotzdem nicht.
Und sie tut, was eine Unternehmerin tut, wenn etwas nicht stimmt: Sie geht es an. Sie liest sich ein, sie bucht ein Programm, sie holt sich Beratung. Sie ändert Abläufe, sie setzt Schritte um. Aber faktisch ändert sich in ihrem Leben nichts. Manchmal über Jahre.
Irgendwann kommt sie an dem Punkt, an dem sie darüber nachdenkt: Vielleicht geht das einfach nicht. Oder: Vielleicht geht es nicht für jemanden wie mich, in meiner Situation. Oder: Mit Logik und Strategie komme ich hier offenbar nicht dran.
Der dritte Satz stimmt.
Was den meisten Menschen nicht bewusst ist
Viele Unternehmerinnen und Unternehmer tragen einen inneren Antreiber, aus ihrer Vergangenheit in sich, der zu ihrem Erfolg maßgeblich beigetragen hat. Eine schmerzhafte Erfahrung aus ihrer Entwicklungsgeschichte. Es kann sein, dass jemand in der Grundschule gehänselt wurde und seitdem durch sein Tun zu beweisen versucht, dass er gut genug ist. Bei der nächsten, dass sie Armut gefühlt hat und seitdem dafür sorgt, dass so etwas nie wieder passiert. Bei einer anderen, dass der Vater kaum zu Hause war und in der Familie genau deshalb als besonders wertvoll galt. Alle mussten zurückstecken, damit es ihm gutgeht. Abgespeichert hat sie: Viel arbeiten ist wertvoll.
Manchmal reicht ein unbedachter Satz, der jemanden seitdem am Rennen hält.
Erfahrungen unserer Vergangenheit prägen unser inneres Betriebssystem, selbst dann, wenn sich die Rahmenbedingungen völlig verändert haben. Wenn aus dieser Erfahrung beispielsweise ein System entstanden ist, das deinen Erfolg, deinen Wert und die Vermeidung eines schmerzhaften Zustandes vorwiegend mit harter Arbeit und einem vollen Kalender verknüpft, hat das Folgen. Vor allem weil dieses System funktioniert und dir gute Resultate eingebracht hat. Es ist oft der Grund, warum du heute da bist, wo du bist. Weil du, dadurch angetrieben, durchgehalten hast, wenn andere aufgegeben haben.
Jetzt willst du jedoch etwas ändern. Und hier passiert das Paradoxe: Dein System kennt nur diese eine Form von Erfolg. Was dich erfolgreich gemacht hat, bremst dich jetzt aus, dein aktuelles Ziel zu erreichen: den Umbau deines Business.
Dann ist auf der bewussten Ebene alles klar. Du willst anders arbeiten, mehr Zeit mit deinem Kind, deinem Partner, deinen Freunden. Du willst nicht den dritten Burnout.
Doch auf der unterbewussten Ebene ist genau dieser Plan eine Bedrohung. Du greifst damit das System an, das du dir zum Schutz aufgebaut hast. Und dein Unterbewusstsein hat nur eine Aufgabe: dich vor dem schützen, was damals wehgetan hat. Es verhandelt nicht darüber, ob das heute noch sinnvolles Verhalten für dich ist, welcher potenzielle Schaden dadurch entstehen könnte und ob deine Situation eine komplett andere ist.
Solange in deinem inneren Betriebssystem der Satz läuft "wenn ich nachlasse, stehe ich wieder vor der realen Bedrohung", greift keine Strategie darüber. Nicht, weil die Strategien schlecht wären. Sondern, weil sie den Regeln deines inneren Betriebssystems widersprechen und deshalb nicht greifen können, solange du nur auf dieser Ebene arbeitest.
Woran du merkst, dass dein inneres Betriebssystem dich bremst
Du merkst es am Widerspruch.
Du hast die Strategien. Du weißt, was zu tun wäre. Du bist jemand, der machen kann, der durchzieht, sonst wärst du nicht da, wo du bist.
Und trotzdem bewegt sich ausgerechnet hier nichts.
Wenn du ehrlich sagen kannst, dass du es wirklich probiert hast, mehrfach, dann liegt es nicht an dir und nicht an der Methode. Dann läuft im Hintergrund ein Betriebssystem, und das entscheidet, ob deine neuen Pläne und Strategien überhaupt starten können.
Das ist keine zufällige Beobachtung
Lars Schwabe und Oliver Wolf haben 2009 im Journal of Neuroscience gezeigt: Wer vor einer Lernaufgabe unter Stress gesetzt wurde, handelte danach gewohnheitsgesteuert und reagierte nicht mehr darauf, dass sich der Wert des Ziels verändert hatte.
Übersetzt: Unter Belastung läuft das Alte weiter, obwohl das Ziel längst ein anderes ist.
Amy Arnsten von der Yale University hat im selben Jahr in Nature Reviews Neuroscience zusammengetragen, warum. Der präfrontale Kortex, also genau der Teil, der für vorausschauendes Denken zuständig ist, ist besonders stressempfindlich. Schon milder unkontrollierbarer Stress lässt diese Fähigkeiten einbrechen.
Die Ebene, auf der wir unsere Pläne machen, setzt also als erste aus. Und eine unterbewusst empfundene Bedrohung reicht dafür.
Wie du das alte Betriebssystem aushebelst
Es braucht neue Regeln für dein Betriebssystem, damit deine Strategien endlich greifen können. Mit diesen Ansätzen kannst du sofort beginnen und beide laufen nicht über mehr Disziplin. Allein dadurch, dass du die Regeln deines inneren Betriebssystems von der unterbewussten auf die bewusste Ebene hebst, kann sich bereits etwas verändern. Denn nun kannst du dein reflexartiges Verhalten in Frage stellen und deinem System klar machen, dass die frühere Gefahr in dieser Form nicht mehr besteht. Und dass eine Änderung der Strategie nicht zwangsläufig ein Risiko darstellt. Oder du setzt einen klaren Rahmen, in dem das Risiko für dich handelbar bleibt.
Außerdem: Schaue, welchen Benefit das alte Betriebssystem dir liefert und wie du es sonst erzielen kannst. Sehr oft ist es das Gefühl. Dann ist die Frage nicht, wie du deinen voll Kalender leerst, wo er dir doch das Gefühl, gefragt, gebraucht und erfolgreich zu sein vermittelt, sondern wie du dir dieses Gefühl anders holst. Solange es keinen Ersatz gibt, holt sich das System den vollen Kalender zurück.
Wenn du willst, dass deine neuen Strategien greifen, muss dein alter Antreiber, wenn er gegen deine neuen Ziele steht, so transformiert werden, dass er nicht mehr am Steuer sitzt, wenn du woanders hin willst.
Wenn du verstehen willst, welche häufigen Muster den Umbau sonst noch erschweren: In meiner Null-Euro-Audioserie "Schnür die Schuhe" gehe ich mehrere davon durch. Denn Bewusstsein ist der erste Schritt zur Veränderung. drmeierhoefer.de/audiodrop







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